Die Katastrophe in Japan und die Auswirkung auf die Autoindustrie

April 18, 2011 by: Redakteur

Japan ist im Moment in einer hoch prekären Lage: Der Supergau steht in allen Medien im Mittelpunkt; als hätte das Erdbeben mit anschließendem Tsunami die Menschen nicht ohnehin ausreichend geschockt. Tausende von Todesopfern sind zu beklagen, die Sachschäden noch gar nicht richtig zu beziffern. Viele Menschen haben nicht nur auf schmerzliche und unerwartete Weise Familienmitglieder und liebe Freunde verloren, sondern stehen vor dem Aus: Alles, was sie hatten, wurde Opfer vom Beben und der Todeswelle. Doch auch beruflich hat es für viele Japaner Konsequenzen, was da innerhalb von Stunden auf ihr Land niederprasselte. Viele Unternehmen sind ebenfalls von den hohen Sachschäden betroffen und können ihre Produktion nicht weiterführen. Besonders hart trifft dies die Automobilindustrie, die ja bekanntlich neben der Computerbranche ein unverzichtbares Standbein der japanischen Wirtschaft darstellt. Wie die Süddeutsche berichtet, standen direkt nach den Horror Tagen bei allen wichtigen japanischen Automobilkonzernen für eine gewisse Zeit die Produktionsanlagen still. An unterschiedlichen Standorten gelegen, haben die Hersteller auch unterschiedliche Probleme, die Betriebsstätten wieder in Gang zu bringen; jeder Tag Ausfall kostet Millionen und eine Verbesserung der Lage ist bis heute nicht in Sicht. Bei den einen – mit Standorten weit von der Erdbebenregion entfernt – ist der Schaden eher gering, andere Standorte sind völlig zerstört, da sie sich direkt im Krisengebiet befinden. Mittlerweile dürfte zumindest im Groben feststehen, wie viel Schaden allein in der Automobilbranche durch die Katastrophe angerichtet wurde; über die Gewinneinbrüche gibt es noch keine Aussagen, steht ja bisher nicht fest, ob beziehungsweise wann in welchem Werk wieder voll in die Produktion eingestiegen werden kann.

Ist der Automarkt in Europa betroffen?

Auf den Gebrauchtwagen Märkten wird es noch eine Zeit dauern, bis man eine Veränderung bemerken kann. Eine Tatsache ist es, dass es durchaus zu Engpässen und langen Wartezeiten auf Autos japanischer Herkunft kommen kann. Bis die von der Katastrophe betroffenen Standorte in Japan selbst wieder voll einsatzbereit sind und auch die Zulieferbetriebe wieder aufgebaut und in Betrieb genommen werden können, vergehen vielleicht noch Monate. Dank einer schon lange existierenden Globalisierung in der Produktion kommt es natürlich nicht zu einem weltweiten Stillstand der Produktion bei Nissan, Toyota und Co. Dennoch wird es sehr deutliche Nachwehen haben, dass die Region so sehr beeinträchtig ist. Die Konsequenzen betreffen also nicht nur die Arbeiter in den Autowerken, in den Zulieferbetrieben und den sonstigen Bereichen der Autoproduktion in Japan. Nach sich zieht die Katastrophe auch Probleme in der weltweiten Auslieferung, auf die viele Firmen, nicht zuletzt Schiffsbetreiber und Speditionen auf der ganzen Welt, ihre Unternehmen stützen. Wo nichts zu liefern ist, sind Mitarbeiter umsonst zu bezahlen, Betriebskosten ohne Einnahmen zu stemmen; das wird Entlassungen und vielleicht sogar Firmenpleiten, wohl weniger bei den Autobauern, als bei den sonst noch beteiligten Firmen nach sich ziehen.

Zahlen und Fakten vom japanischen Automarkt

Die Automobilbranche in Japan gehört zu den stärksten Zweigen im Land. Hier spricht man immerhin von insgesamt elf Prozent des BIP, das in diesem Bereich erwirtschaftet wird. Die Automobilkonzerne können von Glück behaupten, vor allem in den wichtigen Märkten in Europa durch verschiedenste Standorte einen Fuß in der Tür zu haben, und damit nicht so drastische Einbußen verzeichnen zu müssen, wie es bei einer rein japanischen Produktion der Fall wäre. Die Lieferungskette stockt, wo man auf Teilelieferungen aus dem Mutterkonzern in Japan angewiesen ist, und wo Modelle direkt in Japan produziert und importiert werden. Das sind jedoch bisher nur wenige Ausnahmen, die dennoch eine insgesamt auf circa 25 Milliarden Euro bezifferte Einbuße nach sich ziehen könnte, wie www.welt.de berichtet. Dies bedeutet wiederum, Kunden an andere Autohersteller zu verlieren und über Jahre an der Rückgewinnung dieser Käufer arbeiten zu müssen. All diese Fakten, die Automobilkonzerne betreffend, sind jedoch nicht mehr wichtig, denkt man an die bedrohliche Lage im Atomkraftwerk Fukushima und an die Folgen für das Land und die Welt, sollte es hier zum atomaren Supergau kommen.

Abgelegt unter: Weltwirtschaft

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